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FOTODOKS 2015 – PAST IS NOW

Partnerregion Ex-Jugoslawien

“How can I begin anything new with all of yesterday in me?”, fragt Leonard Cohen in seinem Roman Beautiful Losers und beleuchtet damit einen Aspekt, der jedem Individuum, jeder Nation und auch jeder künstlerischen und fotografischen Arbeit innewohnt: in jedem Heute bleibt das Gestern spürbar – als Vorbild oder prägender Einfluss, verschwommene Erinnerung oder traumatisierendes Erlebnis, als Wiederholung oder Neudefinition von bereits Dagewesenem.

Sowohl in die Geschichte Ex-Jugoslawiens, als auch Deutschlands ist die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit eingeschrieben: vor 20 Jahren hat das Friedensabkommen von Dayton den Krieg in Bosnien und Herzegowina beendet und markiert damit einen der wichtigen historischen Eckdaten zwischen den Jugoslawienkriegen und der sukzessiven Unabhängigkeit der einzelnen Teilrepubliken. Während hier Ländergrenzen neu gezogen wurden, hat man in Deutschland mit der staatlichen Wiedervereinigung vor 25 Jahren eine Grenze aufgehoben.

Diese beiden Wendepunkte geben Anlass, um sowohl über sich verändernde Territorien, Nachbarschaften und Identitäten, als auch über Zeit, Erinnerung und Vergessen, über individuelle Erzählungen und kollektive Geschichte nachzudenken. Gemeinsam mit der Partnerregion Ex-Jugoslawien (Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Serbien und Slowenien) reflektiert FotoDoks 2015 den Status Quo und das Potential des Gestern im Heute: Wie kann vergangenes in neue Prozesse einbezogen werden? Welche Chance liegt darin, die Geschichte(n) reifen und sich entwickeln zu lassen? Wie hält die aktuelle dokumentarische Fotografie persönliche und gesellschaftliche Erinnerungen in Bewegung? Welche Wege findet sie zwischen sachlicher Bestandsaufnahme, Nostalgie und der Beschäftigung mit der Beweiskraft von Archiven? What new can we begin with all of yesterday in us?