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Stephanie Kiwitt

(*1972, D)

Máj/My

Der Ort als gesellschaftlicher Raum steht in Stephanie Kiwitts Arbeiten im Vordergrund. Sie interessiert sich für Orte, die ökonomische Bedingtheiten unserer heutigen Lebenswelt beschreiben – die Stadt Marseille im Zuge massiver Baumaßnahmen, ein Brachland im Norden von Gent, Discounter, Fitnesscenter, ein Rekrutierungsgebäude für Hafenarbeiter in Antwerpen, ein Parkplatz.
Für die Arbeit Máj/My fotografierte Stephanie Kiwitt zweieinhalb Jahre im Stadtraum Prag. Der Titel ist dem Namen eines Prager Kaufhauses entlehnt, das von den 70-er Jahren bis zum Fall des kommunistischen Regimes ‘Máj’ hieß - ‘Mai’ - und seit 2009 unter dem Namen ‘My’ geführt wird. Die Wortwahl dieser Neubenennung ist dem Wiedererkennungseffekt geschuldet - beide Wörter werden identisch ausgesprochen. Allerdings könnte der semantische Unterschied nicht größer sein. Spricht man den heutigen Namen jedoch tschechisch aus, resultiert daraus erneut eine Bedeutungsverschiebung: wir.
Kiwitt nimmt die Namensgeschichte zum Anlass den städtischen Alltag der Stadt zu beobachten, in der sie selbst in den frühen 90-er Jahren gewohnt hat. Ihre schwarz-weißen Porträtaufnahmen und Stillleben sind ein Versuch, über den gesellschaftspolitischen Wandel eines Landes nachzudenken, der sich heute im öffentlichen Raum und an Orten des Konsums manifestiert.