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Samuel Gratacap

(*1982, F)

Fifty-Fifty

Das Langzeitprojekt Samuel Gratacaps ist dreiteilig aufgebaut und untersucht über einen Zeitraum von sieben Jahren weltweit die Lebensbedingungen von Flüchtlingen. Seine Beobachtungen beginnt der französische Fotograf 2007 in Marseille, in einer Haftanstalt für nicht-registrierte Geflohene. 2010 reist er nach Lampedusa und trifft Menschen, deren Flucht dort stagnierte. Die Aufnahmen dieser Jahre tragen den Titel La Chance. Eine groteske
Bezeichnung für eine Reihe von Porträts und Nahaufnahmen zurückgelassener Fundstücke, die wohl nicht trefflicher die ursprüngliche Hoffnung und das oftmals anschließende Gefühl des Nicht-Willkommenseins versinnbildlichen. 2012-14 besucht Gratacap für Empire mehrmals das Flüchtlingscamp Choucha in Tunesien, das in den vergangenen Dekaden Zufluchtsort Tausender war. Mittlerweile aufgegeben, fungiert das Camp noch immer als Heimat für zahlreiche Flüchtlinge. Hier stellt er provisorischen Flüchtlingszelten in schwarz/weiss, Porträts und Momentaufnahmen ihrer Bewohner in Farbe gegenüber.
Für Fifty-Fifty geht er noch einen Schritt in der Kausalkette zurück und verweist mit dem
Kriegsgeschehen in Libyen auf eine Ursache der dortigen Flüchtlingsmisere. Libyen als wichtigstes Transitland und der damit verbundenen Rolle in der europäischen Migrations- und Asylpolitik sind weitere Aspekte, die es für Gratacap zu beleuchten gilt. 50:50 stehen seiner Meinung nach die Überlebenschancen für die Flucht über das Mittelmeer.