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Nicola Lo Calzo

(*1979, F/IT)

Ayiti, The Cham Project

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts begann ein Großteil der europäischen Nationen den Sklavenhandel abzuschaffen, diesem Fortschritt folgten im Verlauf des Jahrhunderts weitere außereuropäische Nationen. Der Ursprung dieser menschenrechtlichen Erfolge liegt in der Haitianischen Revolution (1794-1804), der zur Folge 1804 Jean-Jacques Dessalines die Unabhängigkeit der ehemaligen französischen Kolonie Saint-Dominique ausrief und damit den ersten freien lateinamerikanischen Staat gründete. Dass jahrhundertelange Ausbeutung und Misshandlung von Millionen von Menschen nicht einfach in kollektive Vergessenheit geraten darf, zeigt Nicola Lo Calzo mit seinem 2010 begonnenen Langzeitprojekt CHAM. Weltweit spürt er immer noch existente Überreste des Kolonialismus auf und dokumentiert die unbestreitbaren Auswirkungen der Sklaverei auf das heutige Leben. Seine Serie AYITI, (2012-13) - ein Teilprojekt von CHAM – setzt den Fokus auf den Karibikstaat. Mit seiner Kamera hält Lo Calzo die Vielseitigkeit einer nationalen Identität fest, deren verbindendes Element die Revolution und die dadurch gewonnene Freiheit ist. Die Aufnahmen sind Eindrücke präkolonialer, aber immer noch lebendiger Riten, Porträts von Nachfahren der Revolutionäre oder Relikt dieser. Ein besonderes Augenmerk gilt der ‘Movement for the Success of the Image of the Independence Heroes’, deren Anhänger die Revolution und deren Hauptakteure inselweit durch Auftritte, Reden und Gesänge ins Gedächtnis rufen und wieder erlebbar machen. Ihre Intention: in einer Zeit der sozialen und politischen Unzufriedenheit Mut zu schüren und das kollektive Gedächtnis zu stärken.