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David Fathi

(*1985, F)

Wolfgang

1954 wurde die Europäische Organisation für Kernforschung, kurz CERN, nahe Meyrin gegründet. 2014 veröffentlichte die Einrichtung ein Konvolut mit über 120.000 Fotografien – ein umfangreiches, aber gänzlich unbetreutes Archiv mit fotografischen Belegen zu Experimenten und Errungenschaften, dem Institut und seinen Wissenschaftlern der Zeitspanne 1960-1985. Zur Rekonstruktion des Dargestellten bezog man die Öffentlichkeit mit ein. Wolfgang Ernst Pauli, Mitbegründer und Nobelpreisträger, war bis zu seinem Ableben vier Jahre in der Forschungseinrichtung als Wissenschaftler tätig. Der Einsatz des fotografischen Mediums zu Dokumentationszwecken begann folglich erst nach seinem Tod. Pauli war für dreierlei bekannt: seine wissenschaftlichen Leistungen, insbesondere auf dem Gebiet der Quantenmechanik (Pauli-Prinzip), seinen Perfektionismus und den sog. Pauli-Effekt, demzufolge die Anwesenheit Paulis für das Versagen oder den totalen Defekt technischer Gerätschaften sowie das Fehlschlagen von Experimenten verantwortlich war. Ein Phänomen, an das nicht nur Pauli selbst sondern auch ein Großteil seiner Kollegen glaubten, was zeitweise sogar Labor- oder Besuchsverbote zur Folge hatte. Carl Gustav Jungs Begriff der Synchronizität lieferte schließlich eine Erklärung, änderte aber nichts an den Ereignissen.
David Fathi´s Arbeit Wolfgang (2015-16) ist ein Spiel mit dem anekdotisch überlieferten Mythos Pauli-Effekt. Entstanden an einem wissenschaftlichen, faktischen Schauplatz, lassen die von Fathi ausgewählten Aufnahmen mit oder ohne Manipulation an der eigenen Vorstellungskraft zweifeln. Sie zeugen von dem menschlichen Bedürfnis, für alles eine unanfechtbare Erklärung zu wollen und zugleich, dass Manches einfach nicht erklärbar ist – auch nicht im Bereich der Wissenschaft.