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Daniel Chatard

(*1996, D)

Niemandsland

Mit Niemandsland richtet Daniel Chatard den Blick auf das nordrhein-westfälische Braunkohlerevier und widmet sich mit der Dokumentation der Rodung des Hambacher Forsts einer Thematik, die bereits in den 1970er Jahren begann, in den vergangenen Jahren allerdings ihren Höhepunkt erreicht hat. Bereits vor sieben Jahren besetzten erste Aktivisten ein Teilgebiet des mittlerweile auf wenige Hektar geschrumpften Waldes und demonstrierten gegen den unaufhörlichen Ausbau des Hambacher Braunkohle-Tagebaus des Energieversorgers RWE. Die Widerstandsbewegungen brachen seither nicht ab. 2018 folgte die Einstufung als ‘gefährlicher Ort’, um uneingeschränkte Identitätsfeststellungen zu ermöglichen. Es ist ein dramatischer, endloser Krieg zwischen den Verbündeten Wirtschaft und Politik gegen Umweltschützer und Einwohner. Chatard betritt das Geschehen im April 2017 und adaptiert nicht nur die gefährlichen Lebensumstände der Aktivisten, sondern wird ein Teil von ihnen und gewinnt ihr Vertrauen. Die Porträts der Serie lassen diese Nähe und Empathie deutlich spüren, zugleich haben sie etwas verträumt Positives. In die Ferne gerichtete Blicke, geschlossene Augen erzählen von einer nicht weichenden Hoffnung. Diesen Hoffnungsträgern stellt Chatard die Realität gegenüber: Polizeiaufmärsche, Mondlandschaften, den drastischen Abriss von Architektur und Natur. In der Rolle des Beobachters visualisiert er das Bestreben einer ursprünglich kleinen Gruppierung, deren Aktivismus in den letzten Jahren mit Großaktionen wie ‘Ende Gelände’ Ausmaße angenommen hat, die von der Politik nicht mehr übersehen werden können.