Alberto Dedè

Alberto Dedè : StreetView L’Aquila 2011

Im April 2009 wurde die italienische Stadt L’Aquila von einem schweren Erdbeben erschüttert; Teile der Altstadt wurden vollständig zerstört. Bei Google StreetView sind auch zwei Jahre später noch die intakten Häuser und Straßen L’Aquilas zu sehen – sie wurden kurz vor dem Erdbeben aufgenommen. Alberto Dede (1971) zeigt mit „StreetView L’Aquila 2011” das Paradox dieser parallel existierenden Städte: das historische L’Aquila im Netz und das aktuelle, zerstörte in seinen Fotografien.

Alberto Dedè, Milano

Alexander Ziegler

Alexander Ziegler : Wide Island

Alexander Ziegler (1984) zeigt mit „Wide Island“ ganz unvoreingenommene und unprätentiöse Aufnahmen eines Ortes, der in unserem kollektiven Gedächtnis vor allem als Name und historisches Ereignis existiert. Auf seinen Streifzügen durch Hiroshima dokumentiert er seine Eindrücke – ohne sie zu kontextualisieren oder das gängige Bildrepertoire zu wiederholen. Und doch bleibt eine geheimnisvolle Grundstimmung spürbar.

Alexander Ziegler, Abensberg, www.alexanderziegler.com

Antonello Zappadu

Antonello Zappadu

Eine andere Seite der italienischen Medienlandschaft zeigt der Paparazzo Antonello Zappadu mit seinen Aufnahmen von Silvio Berlusconi in dessen Villa Certosa auf Sardinien. Aus großer Entfernung aufgenommen, die Gesichter unkenntlich gemacht, werden diese Bilder zu Beweisfotos für die Freizeitaktivitäten des italienischen Ministerpräsident im Kreise junger, leicht bekleideter Frauen.

Antonello Zappadu, Santiago de Cali, www.zappadu.com.co

Bruno Pulici

Bruno Pulici : Domestico

 Unsere Vorstellung von Normalität stellt Bruno Pullici (1981) in seiner Arbeit “Domestico” in Frage. In seinen im häuslichen Umfeld aufgenommenen Familienportraits sind einzelne Personen geistig behindert. Statt den Menschen lösen jedoch die dargestellten Situationen und die Beziehung der Personen untereinander Irritation aus und erschweren vorschnelle Kategorisierungen.

Bruno Pulici, Milano, www.brunopulici.com

Franco Pagetti

Franco Pagetti : afghanistan landscapes

Franco Pagetti (1950) arbeitet seit 1994 als Fotojournalist und berichtet aus Konfliktregionen, wie Afghanistan, dem Irak, Kaschmir, Palästina und dem Sudan. Seine aus dem Flugzeug aufgenommenen Bilder aus dem Jahr 2009 zeigen ein Afghanistan, wie wir es selten zu sehen bekommen: weite, beeindruckende Landschaften und die imposanten, zerklüfteten Gebirgsketten des Hindukusch.

Franco Pagetti, Roma, www.viiphoto.com

Giuseppe Carotenuto

Giuseppe Carotenuto : Diary of Italian troops from Afghanistan

Giuseppe Carotenuto (1984) porträtiert junge Soldaten, stationiert in Buji, einem der vermeintlich gefährlichsten Vorposten der italienischen Armee in Afghanistan. Erst nachdem ein Unteroffizier des Postens in einem der zahlreichen Feuergefechte mit Aufständischen ums Leben kam, wurde die Existenz des Vorpostens in der kargen, menschenverlassenen Gegend öffentlich. In begleitenden Tagebucheinträgen schildern die Soldaten ihre Erlebnisse, Gedanken und Ängste.

Giuseppe Carotenuto, Napoli, www.giuseppecarotenuto.com

Heinrich Völkel

Heinrich Völkel : The Terrible City – Gaza 2009

“The Terrible City – Gaza 2009” von Heinrich Völkel (1974) thematisiert ebenfalls diesen schweren Luftangriff auf den Gazastreifen, konzentriert sich jedoch auf die improvisierten Lebensverhältnisse der Menschen und das Mindestmaß an Architektur bzw. „Stadt“, das notwendig ist, um einen Hauch von Normalität wiederzuerlangen. In den Ruinen findet er dabei eine fast verstörende Ästhetik.

Heinrich Völkel, Wiesbaden, www.heinrichvoelkel.com

Jörg Gläscher

Jörg Gläscher : Tod kommt später vielleicht

Jörg Gläscher (1966) beschäftigt sich seit Anfang 2008 intensiv mit der Arbeit deutscher Soldaten und begleitet sie bei Bundeswehreinsätzen und zu Übungsplätzen. Die Serie „Tod kommt später, vielleicht“ zeigt Soldaten in Vorbereitung auf den Kriegseinsatz. Entstanden sind Bilder, die einen Blick hinter die Uniform, auf das Individuum erlauben und ein unbestimmtes Gefühl zwischen Ungewissheit, Absurdität, Erwartung und Angst spürbar werden lassen.

Jörg Gläscher, Leipzig, www.glaescher.de

Julia Krüger

Julia Krüger : Detroit

Julia Krüger (1972) konzentriert sich auf die einst boomende „Motor City“ Detroit und erzählt durch ihre atmosphärischen, meist menschenleeren Aufnahmen von den Autos der Stadt mehr, als jede konventionelle Berichterstattung. Die Fahrzeuge werden zu Stellvertretern einer Stadtgeschichte, die sowohl Aufschwung und Wohlstand durch die florierende Automobilindustrie, als auch Rassenunruhen, Bevölkerungsabwanderung, Kriminalität und Verfall beinhaltet.

Julia Krüger, München, www.juliakrueger.com

Julian Röder

Julian Röder : World of Warfare

Eine der größten Waffenmessen im Nahen Osten dokumentiert Julian Röder (1981) in seiner Arbeit “World of Warfare“. In Abu Dhabi kommen die mächtigsten Waffenhersteller der Welt zusammen und präsentieren ihre neusten Entwicklungen und “fortschrittlichen”
Tötungsmechanismen. Krieg und der Kommerz dahinter treffen in absurder und erschreckender Art und Weise aufeinander.

Julian Röder, Berlin, www.julianroeder.com

Kai Wiedenhöfer

Kai Wiedenhöfer : Gaza War Victims – One Year After the War 2009

Kai Wiedenhöfer (1966), der seit 1989 den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern dokumentiert, widmet sich in mit „Gaza War Victims – One Year After the War 2009“ den Folgen der israelischen Militäroperation „Gegossenes Blei“ im Winter 2008-2009. Sein schonungsloser und doch diskreter Blick richtet sich auf die Zivilopfer: körperlich gezeichnet durch Amputationen und Verbrennungen schauen die Porträtierten mit festem Gesichtsausdruck in die Kamera.

Kai Wiedenhöfer, Berlin,

Lorenzo Maccotta

Lorenzo Maccotta : Desidera

Dem Wunsch nach öffentlicher Aufmerksamkeit und den vermeintlichen „15 Minuten Ruhm“, der in Italien durch die Beliebtheit von Reality und Casting Shows weite Verbreitung findet, geht Lorenzo Maccotta (1983) in seiner Arbeit „Desidera“ nach. Bei Castings und Auditions, in Fernsehstudios und Agenturen der Unterhaltungsindustrie suchte er nach den Charakteren, die in dieses kollektive kulturelle Phänomen eingebunden sind.

Lorenzo Maccotta, Roma, www.onoffpicture.com

Maurizio Cogliandro

Maurizio Cogliandro : God’s caress

Im Zisterzienserkloster Pra’d Mill in den italienischen Alpen wird seit Jahrhunderten ein Leben des Gebets, der Arbeit und der Suche nach Gott geführt. Maurizio Cogliandro (1979) gibt in seiner Serie „God’s caress“ durch seine düstere Bildsprache diesen Alltag in Stille, Abgeschiedenheit und Andacht wieder.

Maurizio Cogliandro, Roma, www.contrasto.it

Michael Wolf

Michael Wolf : Tokyo Compression

Der seit 1994 in Hongkong lebende Michael Wolf (1954) zeigt mit „Tokyo Compression“ den alltäglichen Wahnsinn der Metropole Tokyo. Tagtäglich drängen sich tausende von Menschen in die U-Bahn – an die beschlagenen Scheiben gedrückt, gefangen, wehrlos auch gegenüber der Kamera des Fotografen, versuchen sie sich durch Mundschutz und Kopfhörer, mit geschlossenen Augen und in sich versunken vor dieser unfreiwilligen Zusammenpferchung mit Fremden zu schützen.

Michael Wolf, Hong Kong, www.photomichaelwolf.com

Paul Kranzler

Paul Kranzler : Land of Milk and Honey

Paul Kranzler (1979) begleitet in seinem umfangreichen fotografischen Projekt „Land of Milk and Honey“ (2002-2004) den Alltag seines damaligen Linzer Nachbarn. Ein Alltag zwischen Fernsehen, Bier trinken und Schlafen, der nah, mitfühlend und offen erzählt wird, ohne auch nur einen Moment reißerisch oder wertend zu sein. Eine sozialdokumentarische Reportage, die nicht nur durch die abschließenden Aufnahmen der leer geräumten Wohnung bewegt.

Paul Kranzler, Linz, www.paulkranzler.com

Valerio Spada

Valerio Spada : Gomorrah Girl

Valerio Spadas (1972) Arbeit erzählt aus dem italienischen Scampia, einem von der Camorra regierten Vorort Neapels. Portraits junger Frauen, Tatort- und Beweisfotos des Mordes an der 14- jährigen Annalisa Durante im Jahr 2004, und Bilder aus dem Wohnkomplex Le Vele verdichten sich zu einer Erzählung zwischen Hoffnungslosigkeit und Zuversicht. „Gomorrah Girl“ setzt sich mit den Lebensumständen und Chancen heranwachsender Frauen in einem von Gewalt geprägten Umfeld auseinander.

Valerio Spada, Milano, www.valeriospada.com

FotoDoks Preis 2011 für Bruno Pulici

Für seine Arbeit „Domestico“ wurde der italienische Fotograf Bruno Pulici aus Mailand von der FotoDoks-Jury mit dem vom Kamerahersteller Leica gestifteten FotoDoks-Preises 2011 ausgezeichnet.

” Winner of the FotoDoks price 2011 is Italian photographer Bruno Pulici with his comprehensive series “Domestico”!
As intense as his long-term work on that series are the images that are intimate and disturbing at the same time. They unsettle the stereotypes of how we read the correlations that are usually way easier to handle. Bruno Pulici chose a topic that does not suit into easy patterns of media or art but seems relevant and readable, way beyond what it depicts: families that struggle with societies standards of normality and values. We admire the way Bruno extends the photographic work with material that pledges and fights in a non-didactical way for diversity and humanity as a gift to all!”

The way all of us at FotoDoks experienced Bruno during these days in Munich showed him in all his authenticity and openness that simply could to be cut down to a final statement of the jury 2011: “Bruno we all incredibly love you and your unglaublich work.” Congratulations!!